Liebe Heilmittel-, Therapie-, Sozial-, Sonder- und Gedöns- Müttertheresen!
Wenn es euch nicht gäbe.

Wenn es euch nicht gäbe, wie sähe es dann aus in unserer schlimmschlechten Welt! Wer hülfe den zahllosen Kindern, Rentnern, Behinderten, Verirrten, Psychos, Kriminellen, Obdachlosen, Flüchtlingen, Nazis? Die Anderen sind ALLE arm, ob sie wollen oder nicht! Klienten, wohin das analytische Auge blickt! In euch jedoch strömt der pure Reichtum an Menschlichkeit, und ihr habt es euch zum Ziel gesetzt, der allgegenwärtigen Bedürftigkeit in die Hand zu arb- ähm, die Stirn zu bieten.
Wo kämen wir hin, wenn jeder zuerst an sich selbst dächte, die Selbst-Versorgung an erster Stelle stünde und man erst als Nächstes den Nächsten liebte wie sich selbst. Ja, da schössen wir uns natürlich ins eigene Erwerbs- und Daseinsberechtigungsbein. Der gute Helfer zäumt daher das Pferd von hinten auf und schafft es dabei noch, in den Arsch getreten zu werden. Ein Opfer muss es sein, wenn’s nicht weh tut, machts keinen Sinn.
Was wäre euer tapferer Arbeitgeber, die bescheidene Aktiengesellschaft, ohne eure Bereitschaft, das Geschäftsrisiko auf eure treuen Angestelltenschultern zu wuchten? Welchem herzlosen, selbstsüchtigen Egoisten liegt schon an fairer Bezahlung. Berufliche und persönliche Anerkennung können aus Prinzip doch nur daraus bestehen, dass euch noch mehr Verantwortung und Beschäftigung anvertraut werden. Und was anderes könntet ihr mit eurer Freizeit anfangen, als sie dem Chef zu schenken – am Ende flöge der noch aus dem Lion’s Club wieder raus – wie so Vieles, eigentlich Alles, liegt auch dies ganz klar in eurem Aufgabenbereich! Deswegen ist es auch mehr als recht, dass ihr euer veganes Mittagessen auf dem Fahrrad zwischen zwei Hausbesuchen zu euch nehmt. Selbstverständlich werden Teambuildingwandertage von den emsig zusammengetragenen Überstunden abgebummelt. Fair ist es auch, wenn ihr die Erschöpfungstränen heimlich im Weihnachtsurlaub zuhause vergießt – nicht, dass jemand auf die Idee kommt, die Weltverbesserungsmaschine hätte Sand im Getriebe.
Ja, ihr seid die einzig Guten. Mehr, bessere Gute braucht die Welt. Ihr allein könnt sie retten, eine Welt, in der einige Privilegierte ihr Glück in der Selbstversklavung finden dürfen. Na da bin ich aber froh. Denn welch Chaos drohte uns, wenn jeder sich selbst wertschätzte, Zeit und Ressourcen für sich behielte, freud- und lustorientiert entschiede. Manch einer bekäme da Panik in all den Situationen, in denen er sich selbst gegenüberstünde, mutterseelenallein, ein Klient seiner selbst.
Schauderhaft.