Als ich neulich in einer deiner grandios aufgemachten E-Mail las:
„Liebe Jill, mir geht es inzwischen viel besser und ich habe einen
riesigen Schritt nach vorne gemacht, der neue Job und vor allem die
Kinder haben zudem eine wahnsinnig pushende Wirkung. Neuigkeit: “ – da wurde ich kurz euphorisch und erleichtert. Jetzt erzählt er mir von seiner neuen Freundin! Seinem neuen Freund! Einer neuen genderneutralen Partnerschaft! Egal!!

Ich bin aus dem Schneider! Also, natürlich liegt nach wie vor alle Verantwortung für die kaputtgetrennte Familie bei mir, da mach ich mir keine Illusionen. Aber durch frisch gewonnene Aufmerksamkeit, verliebtes Versorgtwerden, partnerschaftliches Solidieren, so hoffte ich in der Hundertstelsekunde des Innehaltens, würde Einiges an festgebissener Energie sich umwandeln und abziehen. Hurra, schnell weiter im Text:

„Ich habe realisiert, dass Du meine Liebe einfach nie gespürt hast und ich damit nie so richtig zu dir durchgedrungen bin. Mir tut es nach wie vor unendlich leid, vor allem für die Kinder, die jeden Tag ein Stück darunter leiden (alles andere ist Selbstbetrug). Wenn Du aber in einer dynamischen, ehrlichen Beziehung bist, zu der Zuneigung und Nähe genauso gehören wie Dissens und Kritik, in der der eine Partner sich aber nicht akzeptiert, gewollt und geliebt fühlt, kann das ganz einfach nicht gutgehen. Das tut mir leid – Du tust mir sehr leid! Nicht von oben herab, sondern ggü. dem Menschen, den ich sehr, sehr, sehr geliebt habe.“

Naja. Ich bin halt manchmal ein bisschen naiv. Da muss ich ganz schön über mich selbst lachen. Aber auch über den jahrelang gehegten Eindruck (bekräftigt durch jahrelanges Beschweren deinerseits), dein Gefühlsleben sei gegen meine Annäherung geradezu immun. Haben wir auch mal drüber geredet, natürlich im Bemühen um Besserung, aber das weißt du nicht mehr. Meine aufrichtige Belustigung gilt der Tatsache, dass in Wahrheit, und das ist eine unleugbare Tatsache!! ich diejenige gewesen bin, die deiner sehr sehr sehren Liebe aus Stumpfsinnigkeit und emotionaler Unterkühlung schlicht nicht gewahr werden konnte. Sorry, ja. Ist doch kein Wunder bei den Eltern. Ich tue mir doch schon selber leid, da sind wir uns doch wieder einig.

Mein Neuer liebt mich nicht sehr sehr sehr. Er kritisiert mich auch nicht sehr sehr sehr. Das ist mir mehr als recht, damit gehts mir fabelhaft. Ich spiele einfach nicht in deiner Liga. Such dir lieber wen, der auch im Job an einem Viermillionenprojekt dran ist, wahnsinnig pushende Wirkungen schätzt und sich bei Nähe- und Zuwendungsweisung deinerseits sofort und dankbar einsatzbereit zeigt. Du hast es verdient.

I am in training to be nobody special.